In der ersten Hälfte des Jahres 2025 ist in Europa in mehreren Ländern der Strompreis am Day-Ahead Markt häufig unter Null Euro gefallen. Das bedeutet, dass Unternehmen theoretisch dafür bezahlt werden konnten, Strom abzunehmen. Allein in den Niederlanden wurde in den ersten sechs Monaten des Jahres in insgesamt 408 Stunden ein negativer Strompreis gemessen. Deutschland folgt dicht dahinter mit 389 Stunden. Damit gehören beide Länder europaweit zur Spitzengruppe.
Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Ungleichgewichts: Auf der einen Seite wird – glücklicherweise – immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. Vor allem Solar- und Windkraftanlagen produzieren große Mengen Strom, wenn es sowohl sonnig, als auch windig ist. Auf der anderen Seite wächst der Stromverbrauch nicht im gleichen Tempo und ist vor allen Dingen oft noch nicht flexibel genug. In diesen Momenten gibt es mehr Strom im Netz als gerade tatsächlich gebraucht wird.
Der Strommarkt funktioniert wie jeder andere Markt. Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, sinken die Preise. Wenn der Strom nicht mehr verkauft werden kann und zu viel Strom im Netz vorhanden ist, entstehen Ungleichgewichte die zu einem Stromausfall führen können, ähnlich wie es dieses Jahr auf der Iberischen Halbinsel passiert ist und damit halb Spanien lahmgelegt hat. Aus diesem Grund sind Kraftwerksbetreiber bereit, Geld zu zahlen, damit jemand den Strom abnimmt und kein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entsteht.
Unternehmen fragen sich zu Recht: Was bedeutet das für mich? Muss ich jetzt meinen Stromanbieter wechseln? Ist das eine Chance oder nur eine kurzzeitige Anomalie?
Die Antwort: Die Zahl dieser Stunden mit negativen Preisen steigt seit Jahren. Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger zu verstehen, wie man auf diese neue Situation reagieren kann. Wer nur zusieht, verpasst wichtige Chancen zur Kostensenkung. Wer klug plant, kann sogar von den extremen Marktbewegungen profitieren.
Auf den ersten Blick klingt es verlockend: Wenn der Strompreis unter null fällt, müsste man doch eigentlich dafür bezahlt werden, Strom zu verbrauchen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn was Unternehmen für Strom bezahlen, ist nicht nur der Börsenpreis. Der sogenannte Arbeitspreis, also der Preis pro Kilowattstunde, ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Neben diesem Preis kommen weitere sogenannte Stromnebenkosten hinzu. Diese machen oft den größeren Teil der Stromrechnung aus.
Zu den Stromnebenkosten zählen:
Netzentgelte – Gebühren für die Nutzung der Stromnetze, die je nach Region stark schwanken
Stromsteuer – Eine staatliche Abgabe pro Kilowattstunde
Konzessionsabgabe – Eine Gebühr an Städte und Gemeinden für die Nutzung öffentlicher Wege
Messstellenbetriebskosten – Kosten für den Stromzähler und die Messdienstleistungen
Umlagen für Systemdienstleistungen und Reservekapazitäten – Diese sichern die Netzstabilität
EEG-Umlage in Deutschland oder ÜNB-Kosten in den Niederlanden – Auch wenn sie gesenkt oder reformiert wurden, können je nach Vertrag noch Zahlungen anfallen
Wenn also der Strompreis an der Börse bei minus 5 Cent liegt, kann der Gesamtpreis, den ein Unternehmen zahlt, dennoch bei plus 5 bis 15 Cent pro Kilowattstunde liegen.
In vielen Gesprächen mit Unternehmen stellen wir fest, dass der Wunsch groß ist, von günstigen Strompreisen zu profitieren. Gleichzeitig besteht Unsicherheit darüber, wie das in der Praxis aussehen kann. Dabei gibt es drei zentrale Hebel, die wir im Folgenden näher erklären.
Firmenfahrzeuge und Mitarbeiterautos stehen oft viele Stunden ungenutzt auf dem Betriebsgelände. Studien zeigen, dass ein Auto im Durchschnitt 97 Prozent der Zeit steht. Wenn dieses Auto direkt nach dem Einparken sofort geladen wird, nutzt man nicht das volle Potenzial. Denn oft ist gerade zu dieser Zeit der Strompreis hoch.
Mit einer intelligenten Ladesteuerung, wie wir sie anbieten, kann das Ladeverhalten angepasst werden. Das System erkennt automatisch, wie lange ein Fahrzeug voraussichtlich stehen wird, welche Strompreise in den nächsten Stunden erwartet werden und wann die firmeneigene Solaranlage Strom produzieren wird. So kann der Ladevorgang dann starten, wenn entweder Sonnenstrom verfügbar ist oder der Strompreis sehr niedrig oder sogar negativ ist. Das spart Kosten und entlastet das Netz.
Ein Batteriespeicher kann in Verbindung mit einer Solaranlage und einem Energiemanagementsystem gezielt dann geladen werden, wenn die Strompreise niedrig sind oder überschüssiger Solarstrom zur Verfügung steht. Der gespeicherte Strom kann später genutzt werden, wenn die Preise steigen oder wenn der Eigenverbrauch erhöht werden soll. Das reduziert nicht nur die Stromrechnung, sondern schützt auch vor Preisspitzen und Netzengpässen.
Das System kann dabei selbstständig entscheiden, ob Strom aus dem Netz oder aus der PV-Anlage genutzt wird. Diese Flexibilität wird immer wertvoller, je unruhiger der Strommarkt wird.
Ein Solarcarport bietet mehr als nur Schutz vor Sonne und Regen. Er produziert Strom direkt dort, wo er gebraucht wird – auf dem Parkplatz des Unternehmens. Dieser Strom wird direkt in die Ladeinfrastruktur oder den Betrieb eingespeist. Weil der Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist wird, entfallen viele der oben genannten Nebenkosten. Das macht den Eigenverbrauch deutlich günstiger. Die Solarcarports sind dabei immer mit Bifazialien Solarmodulen ausgestattet und erlauben damit eine Stromproduktion von der Vor- und Rückseite des Moduls.
Zudem lässt sich der Solarcarport mit einer intelligenten Steuerung kombinieren, sodass Ladepunkte, Speicher und Erzeugung optimal zusammenarbeiten. So entsteht ein integriertes Energiesystem, das auf den Betrieb zugeschnitten ist und sich an die Marktbedingungen anpasst.
Negative Strompreise wirken auf den ersten Blick wie ein Geschenk für Verbraucher. Doch wer unvorbereitet handelt oder zu schnell Entscheidungen trifft, läuft Gefahr, wirtschaftlich nachteilige Konsequenzen zu erleiden.
Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass Unternehmen glauben, sie würden bei negativen Strompreisen automatisch Geld verdienen. In der Realität setzen sich die tatsächlichen Stromkosten jedoch aus vielen Komponenten zusammen. Der Börsenpreis ist lediglich eine davon. Auch bei negativen Preisen bleiben andere Kosten wie Netzentgelte, Abgaben und Umlagen bestehen. In der Praxis bedeutet das: Der Endpreis für Unternehmen bleibt in vielen Fällen trotz negativer Arbeitspreise positiv.
Ein weiteres Risiko ist die Unvorhersehbarkeit der Preisentwicklung. Selbst wenn aktuelle Prognosen von einer Zunahme negativer Stunden sprechen, können sich Marktbedingungen wie Wetter, Nachfrageverhalten oder politische Rahmenbedingungen schnell ändern. Wer heute eine Strategie auf Basis kurzfristiger Trends entwickelt, kann morgen bereits auf falsche Annahmen bauen.
Hinzu kommt die technische Seite: Der Wechsel zu einem flexiblen Stromtarif ohne die nötige Steuerungstechnik kann sogar zu Mehrkosten führen. Ein klassisches Beispiel: Wird der Strombezug nicht intelligent gesteuert, wird zu teuren Zeiten geladen oder produziert, ohne dass man es merkt. Für Unternehmen, die ihre Prozesse nicht automatisieren oder analysieren, entsteht daraus ein reales Verlustpotenzial.
Auch regulatorisch kann es Unsicherheit geben. In Deutschland ist der regulatorische Rahmen für dynamische Stromtarife erst in den letzten Monaten konkreter geworden, etwa durch das Energiewirtschaftsgesetz und Vorgaben zur Integration von Smart Metern. In den Niederlanden wird intensiv über Netzkapazitäten und variable Netztarife diskutiert. Unternehmen sollten sich frühzeitig informieren, welche Verpflichtungen und Chancen daraus erwachsen.
Wer diese Fallstricke kennt und sich vorbereitet, kann die Vorteile der Strompreisvolatilität gezielt nutzen. Aber eine fundierte Analyse und die richtige Technologie sind unverzichtbar.
Ein gutes Beispiel, wie Strompreissignale in der Praxis intelligent genutzt werden können, liefert ein aktuelles Projekt von AmperaPark bei einem Industrieunternehmen in Gelderland, Niederlande. Dort wurde auf einem Parkplatz ein Solarcarport für 52 Stellplätze errichtet. Ausgestattet mit bifazialen Glas-Glas-Modulen, einem intelligenten Energiemanagementsystem und dynamikfähiger Ladeinfrastruktur für Elektroautos.
Die Herausforderung: Das Unternehmen wollte seine CO₂-Bilanz verbessern, gleichzeitig aber wirtschaftlich sinnvoll investieren. Besonders wichtig war es, Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage gezielt dann zu nutzen, wenn dieser günstiger ist als Netzstrom oder sogar negative Marktpreise vorliegen.
Unsere Lösung: Das intelligente EMS von AmperaPark berücksichtigt nicht nur die aktuelle Solarproduktion, sondern auch Preisprognosen, Netzbelastung und das Nutzerverhalten der angeschlossenen Ladepunkte. Elektrofahrzeuge von Mitarbeitenden, die typischerweise acht oder mehr Stunden stehen, werden automatisch zu jenen Tageszeiten geladen, in denen entweder der eigene Solarstrom zur Verfügung steht oder die Strompreise an der Börse besonders niedrig sind.
Zudem ist der Standort mit einem modularen Batteriespeicher ausgestattet, der in Zeiten negativer Preise zusätzlich Strom aufnimmt. So können Lastspitzen reduziert und das Netz entlastet werden. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauchsanteil auf über 80 Prozent.
Die Ergebnisse sprechen für sich: Innerhalb eines halben Jahres wurden mehr als 3.200 Ladevorgänge durchgeführt. Über 70 Prozent des dabei genutzten Stroms stammte aus der eigenen Anlage oder wurde zu Zeiten besonders günstiger Preise bezogen. Neben den CO₂-Einsparungen konnten so auch die Stromkosten signifikant reduziert werden.
Dieses Projekt zeigt: Mit der richtigen Technologie und Beratung lassen sich wirtschaftliche und nachhaltige Ziele hervorragend miteinander verbinden.
Wer sich als Unternehmen jetzt mit den Themen Strompreisschwankungen, Eigenstromnutzung und Flexibilitätsoptionen beschäftigt, trifft eine Entscheidung mit Weitblick. Die Volatilität an den Strommärkten wird in den kommenden Jahren zunehmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Unternehmen, ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren und sich resilient aufzustellen.
Unsere Empfehlung: Unternehmen sollten zunächst ihre Verbrauchsstruktur analysieren. Wo gibt es potenzielle Flexibilität? Gibt es große Verbraucher wie E-Autos, Wärmepumpen oder Kühlanlagen, deren Nutzung nicht immer zeitkritisch ist? Kann Strom aus Photovoltaik sinnvoll vor Ort genutzt oder gespeichert werden?
Ein weiterer Schritt ist die Prüfung der Standortgegebenheiten. Ist ausreichend Fläche für einen Solarcarport vorhanden? Wie ist die Netzanschlusskapazität? Lohnt sich ein Speicher oder ein Lademanagementsystem?
Unsere Systeme lassen sich modular erweitern. Sie starten mit einem Solarcarport und dynamischer Ladeinfrastruktur und können später Speicher oder weitere Funktionen integrieren. So bleiben Sie flexibel und sichern sich gleichzeitig heute schon wirtschaftliche und nachhaltige Vorteile.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, aktiv zu werden.
Interessieren Sie sich auch für eine grüne Aufwertung Ihres Parkplatzes?